Zwei ganz unterschiedliche Filmvorführungen in Linz von „Die Heide ruft“

April 23, 2008

Filmvorführung im Ursulinenhof in Linz

Zunächst zur Filmvorführung „Die Heide ruft: Sexualbegleitung für Menschen mit Beeinträchtigungen“ im Rahmen des Kongresses „Enthinderte Sexualität“ am 9. April 2008 in Linz. Es waren ca. 100-150 Leute im Ursulinenhof, wir (Danilo und Mirjam) haben uns im Anschluss an den Film für eine Diskussion zur Verfügung gestellt, die Moderation hatte Klaus Buttinger (OÖ Nachrichten) übernommen.

Die Diskussionsbeiträge im Anschluss an unseren Film waren teilweise sehr emotionsgeladen. Wir empfanden die Diskussion als insgesamt eher destruktiv und die geäußerte Kritik zum größten Teil unangebracht. Unangebracht insofern, als dass sich die Kritik eher auf den ganzen Kongresstag bezog und nicht explizit auf unseren Film. In einem anderen Bericht über den Kongress schreibt Priska Feichtenschlager, dass „in der Diskussion danach […] die Wogen hoch [gingen]“. Ihre Einschätzung, dass in der Diskussion ein Konsens zum Themenfeld der Sexualbegleitung hergestellt wurde teilen wir nicht.

Kritik wurde von einer handvoll Menschen geäußert, dies vor allem von Menschen mit Beeinträchtigung. So wurde allgemein am Kongress bemängelt, dass der Kongress einen Themenschwerpunkt auf Sexualbegleitung gesetzt hätte. Dagegen seien z. B. Partner_innenschaften, das Ermöglichen von Kennen lernen von anderen Menschen, das Schaffen eines Rahmens, in dem Sexualität ausgelebt werden kann, etc. wesentlich wichtigere Themen.

Es gab aber auch einige Beiträge, die sich direkt auf unseren Film bezogen. Fünf für uns wesentliche Kritikpunkte waren:

1. Menschen mit Lernschwierigkeiten würden in unserem Film vorgeführt

Wir fühlen uns den disability studies nah und haben versucht, die Perspektive der drei Menschen mit Beeinträchtigung darzustellen, unter anderem, indem sie möglichst viel selbst zu Wort kommen, auf erklärenden Kommentare verzichtet wird, etc. Wir sehen nicht, an welchen Stellen wir jemanden vorführen. Konkrete Angaben wären hilfreich gewesen.

2. Die Menschen mit Lernschwierigkeiten würden nicht selbstbestimmt handeln

Wir können diesen Kritikpunkt nicht nachvollziehen. Indem die drei Protagonisten sich auf den Weg von Eschwege nach Trebel machen und an diesem Erotikworkshopwochenende teilnehmen, handeln sie unseres Erachtens äußerst selbstbestimmt. Sie kennen Alternativen, sie haben sich jedoch entschieden für dieses Wochenende ihre Sexualität in Trebel auszuleben, oder eben dort nicht auszuleben.

3. Die Perspektive auf Frauen von Frauen mit Beeinträchtigung fehle

Die Problematik der Abwesenheit von Frauen wird im Film thematisiert. Wir selbst hatten ursprünglich geplant, den Film mit Frauen mit Lernschwierigkeiten zu drehen. Wir haben leider keine gefunden. Es gibt zwar Frauen, die Sexualbegleitung in Anspruch nehmen, diese sind aber rar. Generell sind wir sehr an der Auseinanderersetzung mit Frauen und Beeinträchtigung interessiert. Wir werden dieses Thema demnächst hier noch aufgreifen.

4. Stereotype Darstellung von Menschen mit Beeinträchtigung

Für uns wäre es hilfreich gewesen, wenn wir konkrete Beispiele für diesen Vorwurf bekommen hätten. Wir haben die Menschen so dargestellt, wie sie sich uns gezeigt haben.

5. Kritik an zu einseitiger (befürwortender) Darstellung von Sexualbegleitung

Wir stellen Sexualbegleitung als eine Möglichkeit dar Sexualität auszuleben. Im Film wird an mehreren Stellen darauf hingewiesen, dass Sexualbegleitung eine desintegrative Wirkung haben kann (Sascha Schädel, Matthias Vernaldi). „Ziel muss eigentlich Inklusion sein“ (Schädel), was auch unsere Meinung widerspiegelt.

Dass der Film trotz der dominanten Kritiker_innen während der Diskussion insgesamt sehr gut angekommen ist und auf ein großes Interesse gestoßen ist, haben wir erst am nächsten Tag erfahren. Es sind viele zu unserem DVD-Stand gekommen und haben die DVD erstanden, viele haben uns zu unserem Film beglückwünscht und uns versichert, wie gut ihnen der Film gefallen hat. Schade, dass sie dies nicht an dem Vorabend bei der Vorführung eingebracht haben.

Aufgrund der Kritik an Sexualbegleitung haben wir uns entschlossen, in unserem Weblog das Thema „Streitpunkt Sexualbegleitung“ und das Thema „Frauen und Beeinträchtigung“ aufzunehmen und in einem der nächsten Beiträge zur Diskussion zu stellen.

Filmvorführung im Moviemento, Linz

Die ca. 60 Gäste waren überwiegend Schüler_innen und Lehrende einer Heilerziehungspflegeschule in Österreich. Die Moderation übernahm Hans Tausch

Diese Vorstellung von „Die Heide ruft“ verlief ganz anders. Erst einmal muss hier erwähnt werden, dass die beiden Filmvorführer des Kinos Moviemento es geschafft haben, den Film so wahnsinnig unscharf zu zeigen, dass es eine Zumutung war. Auf Nachfrage und der Bitte um eine schärfere Einstellung wurde leider nicht nachgekommen („Der Film ist so unscharf“ wurde argumentiert, was leider nicht zutreffend war, das gleiche Band lief im Berliner Kino Arsenal gestochen scharf…). Das war sehr ärgerlich und wir möchten uns an dieser Stelle nochmals dafür entschuldigen. Die Zuschauer_innen haben es allerdings erstaunlich gelassen hingenommen. Danke.

Das Publikum war sehr interessiert an dem Thema und der Film äußerst wohlwollend aufgenommen, es wurden in der Diskussion nach der Vorführung sehr viele Fragen zum Inhalt aber auch zur Produktion gestellt.

Besonders angetan waren wir, als uns von einem Besucher des Kinos 10,- Euro angeboten worden waren, ohne dass er eine DVD dafür haben wollte, weil er die Idee den Film unter Verwendung einer freien creative commons Lizenz zur Verfügung zu stellen so gut und unterstützenswert fand. J Einen Film haben wir ihm aber trotzdem noch in die Hand gedrückt.

Anschließend an die Diskussion sind wir mit einem Großteil noch in ein Restaurant eingekehrt und haben noch einige weitere Fragen klären können. Danke noch mal für die Übernahme der Getränkekosten!

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Videoprojektreihe zum Thema „Behinderte Liebe“

März 28, 2008

Das Medienprojekt Wuppertal startet eine neue Videoprojektreihe Behinderte und Sexualität: „Behinderte Liebe“ für Jugendliche zwischen 14-28 Jahren.

Videoprojektreihe zum Thema “Behinderte Liebe”

„In dem Projekt »Behinderte Liebe« soll mit jungen behinderten und nicht-behinderten Menschen eine Reihe von Videoprojekten zum Thema »Behinderte und Liebe und Sexualität« durchgeführt werden. Hierbei sollen Gruppen parallel zu den unterschiedlichen Aspekten des Themas biografische Dokumentarfilme erarbeiten. Um die verschiedenen Aspekte und Erfahrungen zu reflektieren sollen in verschiedenen, integrativen Gruppen geistig und mit körperlich behinderte TeilnehmerInnen arbeiten.“ (medienprojekt wuppertal)

Na dann, ran an die Kamera!


re:publica mit videoschwerpunkt

März 5, 2008
publica

Auf der diesjährigen re:publica setzen die Veranstalter_innen unter anderem einen Schwerpunkt zum Thema Video. Disgenderbility.de wird sich diese Workshops nicht entgehen lassen und mal sehen, was es Neues gibt zum Thema Web2.0 und Video(produktion). Bis dahin lg


„Die Heide ruft“ Der Dokumentarfilm als kostenloser Stream und Download

März 1, 2008

Die Heide ruft als Stream - ScreenshotWir hatten es ja bei unserer Premiere im Arsenal angekündigt – jetzt haben wir es auch bewerkstelligt. Der Dokumentarfilm „Die Heide ruft: Sexualbegleitung für Menschen mit Beeinträchtigungen“ steht jetzt in voller Länge als Stream und als Download auf unserer Filmseite zur Verfügung.

>>> zur Filmseite <<<

Wir haben mehrere Formate zur Verfügung gestellt um es allen Interessierten möglich zu machen den Film zu sehen und/oder zu verbreiten.

Sollte es mit dem Stream und dem Download nicht recht klappen, senden wir gerne eine oder mehrere DVD’s gegen eine Spende für die entstandenen Unkosten (Porto, Materialkosten) zu. Anfragen bitte an: mirjam-mirwald(AT)disgenderbility.de.

Eine Verbreitung des Dokumentarfilms ist also ausdrücklich gewünscht und erfolgt unter den Lizenzbestimmungen der Creative Commons.

  • Namensnennung. Sie müssen den Namen der Autor_in/Rechteinhaber_in in der von ihr festgelegten Weise nennen (wodurch aber nicht der Eindruck entstehen darf, Sie oder die Nutzung des Werkes durch Sie würden entlohnt).
  • Keine kommerzielle Nutzung. Dieses Werk darf nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden.
  • Weitergabe unter gleichen Bedingungen. Wenn Sie dieses Werk bearbeiten oder in anderer Weise umgestalten, verändern oder als Grundlage für ein anderes Werk verwenden, dürfen Sie das neu entstandene Werk nur unter Verwendung von Lizenzbedingungen weitergeben, die mit denen dieses Lizenzvertrages identisch oder vergleichbar sind.

Viel Spaß beim Gucken wünscht das Disgenderbility Filmteam!


Eure / Ihre Meinung ist uns wichtig

Februar 25, 2008

Wir würden uns sehr freuen, wenn wir zu unserem Film viele Rückmeldungen bekommen könnten. Gerade weil wir uns für die freie Publikation im Internet entschieden haben, laden wir euch/Sie ein, Lob, Kritik und Nachfragen oder Anmerkungen zum Film hier zu hinterlassen.

Für die Kommentare und Rückmeldungen haben wir eine extra Seite angelegt. Und als kleinen Anreiz für das fleißige Mitwirken, werden wir am Ende des Jahres ein Überraschungsbuchpaket und eine DVD unseres Films verlosen.


Die Premiere war …

Februar 24, 2008
Die gestrige Premiere war für uns ein voller Erfolg. Wir haben uns nicht träumen lassen, dass das Kino mit seinen 236 Plätzen voll werden würde. Selbst unsere 50 DVD’s, die wir gegen eine kleine Spende angeboten hatten, waren schon nach kurzer Zeit vergriffen.
Wir drei denken gern an den langen Applaus und die vielen lobenden Worte zurück. Leider hatten wir wenig Zeit mit allen Gästen unserer Premiere zu sprechen. Also an diejenigen, die wir nur aus der Ferne gesehen haben: schön dass ihr da wart!

FilmplakatPublikumFilmdarstellerPodiumsdiskussion Darsteller und FilmteamHauptdarsteller bei PodiumsdiskussionFilmteam und Hauptdarsteller

Ganz lieben Dank an all jene, die zum Gelingen unserer Welturaufführung beigetragen haben. Vielen Dank an:

  • die Darsteller, die sich für die anschließende Diskussion zur Verfügung gestellt haben,
  • die Sebastian Cobler Stiftung für die Finanzierung des Kinos,
  • Pressestelle der Humboldt-Universität und die Blogger_innen, die für unsere Premiere geworben haben,
  • den Mitarbeiter_innen des Arsenals, besonders dem Filmvorführer,
  • Katrin für die großartige Moderation,
  • Micha für die Fotos (zu finden bei sevenload),
  • Ulrike und André für Auf- und Abbauarbeiten,
  • Juliette und Maggie für die tragende Rolle am Mikrophon,
  • Christin und Mandy für den Ausschank,
  • Lydi und Bine für die Betreuung des DVD-Stands,
  • Leonie, Gefjon, Merle, Paula und Viktor für erfolgreiche Sammlung von Spenden,
  • all diejenigen, die uns so reich beschenkt haben,
  • an alle, die unsere Spendendosen gefüttert haben,
  • und natürlich an das tolle Publikum.

Eine Zusammenfassung der stattgefundenen Diskussion werden wir innerhalb der nächsten Woche in unserem blog veröffentlichen. Wir arbeiten zur Zeit mit allen Kräften an der Veröffentlichung des Films in Internet. Wer noch Interesse an einer DVD hat, kann sich per e-mail bei Mirjam Mirwald (mirjam-mirwald(AT)disgenderbility.de) melden.

DVD’s Die Heide ruft


Premiere in Österreich beim Kongress „Enthinderte Sexualität“

Februar 20, 2008

„Die Heide ruft – Sexualbegleitung für Menschen mit Beeinträchtigung“ wird am 09.04.2008 um 20.00 Uhr im Rahmen des Kongresses „Enthinderte Sexualität“ in Linz das erste Mal in Österreich vorgeführt. Der Kongress wird vom Verein Senia.at organisiert. Mirjam und ich werden an dem Kongress teilnehmen und stehen nach der Filmvorführung für Fragen zu Verfügung.

Danke für die Einladung!

Plakat zum Kongress