„Autistisch zu sein ist keine Krankheit“ : am 18. Juni 2008 Autistic Pride Day : „Respekt statt Mitleid“

Juni 16, 2008

In einer Presseerklärung von Autismus Kultur verweisen die Aktivist_innen auf den Autistic Pride Day mit dem Motto „Respekt statt Mitleid“. Sie verorten sich in den Disability Studies und lehnen eine pathologisierende und medizinische Sichtweise auf Autist_innen ab. Collin Müller schreibt:

„Autistisch zu sein ist keine Krankheit und kein Grund, sich zu schämen. Autistische Aktivisten wenden sich gegen Versuche, Autismus zu „heilen“.

Hier einige Informationen zum Autistic Pride vom Weblogeintrag:

Anlässlich des Autistic Pride Days fordern Autist_innen gleiche Rechte und gleiche Chancen wie andere Menschen. Autist_innen leiden nicht unter Autismus, sondern unter gesellschaftlichen und kulturellen Barrieren und Diskriminierungen. Diese bestehen oft auch darin, dass Autist_innen nicht ernst genommen werden. Geht es beispielsweise um die Angelegenheiten und Wünsche (mitunter erwachsener) Autist_innen, werden diese in der Regel nicht selbst gefragt, sondern Eltern, Ärzt_innen und Therapeut_innen. Sie prägen auch das Bild und die öffentliche Meinung, indem sie in den Medien über Autist_innen als bemitleidenswerte Kranke und über Autismus als Tragödie erzählen – statt Autist_innen selbst zu Wort kommen zu lassen, sie zu unterstützen, und die Akzeptanz der Vielfalt in unserer Gesellschaft zu fordern und zu fördern. Besonders der Elternverband Autismus Deutschland beansprucht für sich, für alle autistischen Menschen in Deutschland zu sprechen und Ansprechpartner in allen Autismus-Belangen gegenüber Medien und Politik zu sein. Diese Erfahrungen waren ausschlaggebend für das diesjährige Motto Respekt statt Mitleid.

Der Autistic Pride ist ein politischer Aktionstag und diesen Charakter soll er auch behalten. Leider ging der Trend der Aktivitäten am Autistic Pride Day in den letzten Jahren stark in Richtung geselliges Zusammensein ohne jegliche Inhalte. Wenn ihr nur zusammen Fußball gucken und Bier trinken wollt, dann tut das, aber nennt es nicht Autistic Pride.

Wir denken, dass ist eine gute Gelegenheit sich mit dem eigenen Verhältnis und den eigenen Vorurteilen zu Autismus auseinander zu setzen. Wir vom disgenderbility-Team werden diesen Tag auf jeden Fall für eine intensive Auseinandersetzung mit unserer Sicht auf das Thema Autismus nutzen.

Eine erste einfache Möglichkeit zum Einstieg bietet das Video „In My Language“ von Amanda Baggs:

Vielfältige und abwechslungsreiche Informationen zur Auseinandersetzung mit Autismus bietet die Internetseite Autismus Kultur. Danke an Collin Müller für den Hinweis auf diesen Tag und den tollen Weblog.


Petition gegen Diskriminierung

Mai 23, 2008

Banner der Initiative ganz europa gegen diskriminierung

Eine Inititiative fordert in einer Petition eine Erweiterung der rechtlichen Bestimmungen zum Schutz gegen Diskriminierung in Europa. Die Petition, richtet sich direkt an Angela Merkel die sich bisher nicht ausreichend für Antidiskriminierungspolitik eingesetzt hat und diese sogar blockiert.

Nichtsdestotrotz gilt bei den Merkmalen Religion, Weltanschauung, Alter, Behinderung und sexuelle Orientierung bisher ein geringeres Schutzniveau auf europäischer Ebene als bei den Merkmalen „Rasse“ und ethnische Herkunft sowie Geschlecht. Während letzteren ein umfassender Schutz vor Diskriminierung zugesprochen wird, bezieht sich der Schutz vor Diskriminierung aufgrund der Religion oder Weltanschauung, des Alters, einer Behinderung und der sexuellen Orientierung nur auf das Arbeitsleben und nicht auf den Bereich Güter und Dienstleistungen (Bildung, Gesundheitsversorgung…). Diese Ungleichheit wollte Barroso beheben und eine kohärente und effektive EU Antidiskriminierungspolitik schaffen.

Die Petition können alle online unterzeichnen, die sich für eine umfassende Antidiskriminierungspolitik einsetzten wollen. Weitere Hintergrundinformationen finden sich auf der Seite der Initiative „Ganz Europa ohne Diskriminierung„.